Hertie-Preis

 

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten in Zeiten der Corona-Pandemie:

Die Hertie-Stiftung vergibt seit 1974 alljährlich u.a. den renommierten Hertie-Preis
und verschiedene Förderungen an Individuen, Verbände und Initiativen im Bereich
der Multiplen Sklerose und anderen Erkrankungen des Nervensystems.

Im "Corona-Jahr" 2020 vergab die Jury der Hertie-Stiftung den Hertie-Preis neben
zwei weiteren Projekten an die Smartphone-App Parkinson-Rehasport@Home, die
der Sportmediziner Dr. Heiko Gaßner von der Universitätsklinik Erlangen ent-
wickelt hat. Entstanden ist ein umfangreiches Trainingsprogramm speziell für
Parkinsonbetroffene, die auf seinem seit 2017 im Auftrag und in Zusammen-
arbeit mit der Erlanger Regionalgruppe der Deutschen Parkinson-Vereinigung
e.V. betriebenen sehr erfolgreichen Reha-Sportgruppen-Angebot basiert.

Zur Webseite des Universitätsklinikums Erlangen   

   Zitat von der Webseite der Hertie-Stiftung:
   Morbus Parkinson zählt mit mehr als 350.000 erkrankten Menschen in
   Deutschland zu den häufigen Erkrankungen des Zentralnervensystems.
   Die Betroffenen leiden u.a. unter einer abnehmenden Beweglichkeit.
   Ein regelmäßiges körperliches Training spielt im Hinblick auf Selbstbe-
   wusstsein und Teilhabe eine große Rolle.
   Die Erlanger Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung e.V.
   (DPV) hat gemeinsam mit dem Rehasporttherapeuten Dr. Heiko Gaßner
   von der Universitätsklinik Erlangen ein umfassendes Trainingsprogramm
   speziell für Parkinsonbetroffene entwickelt.
   Zusätzlich zu einer ambulant stattfindenden Bewegungstherapie wurden
  
online abrufbare Videos für das Training zuhause erstellt. Parallel dazu
   wird die Smartphone-App "Parkinson-Rehasport@Home" entwickelt.
   Gerade während der Corona-Pandemie, in der eine regelmäßige Physio-
   therapie nicht möglich ist, hilft den Betroffenen dieses hybride Reha-
   Programm, ihr Training aufrechtzuerhalten und miteinander in Kontakt
   zu bleiben.

Wir beglückwünschen Herrn Dr. Gaßner hiermit herzlich zu dieser Würdigung,
die ihn und uns Ende November 2020 zur großen Freude aller Beteiligten
erreichte!

 

Text der Pressemeldung hierzu von der Molekularen Neurologie, Uni-Klinikum Erlangen:

Wenn Parkinsonpatienten online gehen

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2020 geht an Erlanger Molekulare Neurologie
– Online-Bewegungstraining für Parkinsonpatienten ausgezeichnet

Flüssige Bewegungen fallen Menschen mit Parkinson schwer. Doch gezielte regelmäßige
Körperbewegung hilft Betroffenen im Alltag besser zurecht zu kommen. Sportwissenschaftler
Dr. Heiko Gaßner und sein Team von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof.
Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen haben deshalb – unterstützt von
Mitgliedern der Erlanger Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. – ein
Trainingsprogramm für Parkinsonpatienten entwickelt. Doch weil die ambulante Reha-Sport-
gruppe am Uni-Klinikum Erlangen derzeit Pandemie bedingt längerfristig nicht stattfinden
kann, reagiert Dr. Gaßner mit seinem Trainingsangebot im Online-Modus: Die Erlanger
Therapeuten hatten bereits verschiedene Übungspakete auf Video aufgezeichnet und zum
kostenlosen Abruf im Internet bereitgestellt, um Betroffene auch während des Ausfalls des
Gruppentrainings fit zu halten. Zusätzlich testet das Team um Dr. Gaßner derzeit die Handy-
App „Parkinson-Rehasport@Home“, mit der die Teilnehmer individuell zu Hause üben können.

Jetzt hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das Projekt mit dem Hertie-Preis für Engagement und
Selbsthilfe 2020 ausgezeichnet, die mit einer Förderung in Höhe von 10.000 Euro verbunden ist.


Dr. Heiko Gaßner (r.) beim Bewegungstraining
mit einem Parkinsonpatienten. Diese und
andere Übungen können nun auch mithilfe
von Videoanleitungen oder einer App zu
Hause absolviert werden.
Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Mit einem Nordic-Walking-Stock zeichnet Rehasport-Therapeut Heiko Gaßner große Kreise vor dem
Körper, streckt den rechten Arm und das rechte Bein gleichzeitig zur Seite aus, macht Schwimm-
bewegungen mit den Armen, Ausfallschritte nach links und rechts. In bisher fünf Videos – zu finden
unter www.uker.de/mn-rehasport – demonstrieren Dr. Gaßner und Physiotherapeutin Kathrin Kinscher
verschiedene Übungen für drinnen und draußen. Vor allem während der aktuellen Pandemie, die
Gruppenangebote und Physiotherapietermine weitestgehend verhindert, hilft das Heimtraining
Patienten, in Bewegung zu bleiben – ortsunabhängig und kostenfrei. „Beim Parkinson-Syndrom
geht es vor allem darum, das Gleichgewicht zu trainieren und den Gang zu schulen, Stürzen vorzu-
beugen und letztlich Kraft und Beweglichkeit zu verbessern“, erklärt Heiko Gaßner. Während des
Lockdowns können Patienten zu Hause oder in der Natur trainieren und so den motorischen
Symptomen entgegenwirken. „Von 10.000 Videoaufrufen im Mai 2020 sind die Klicks bis Ende
November auf 43.000 geklettert. Die Beiträge wurden in der Corona-Zeit deutlich häufiger auf-
gerufen“, freut sich Heiko Gaßner.

Handy-App für individuelles Üben mit Unterstützung durch den Therapeuten

Ergänzt werden die Videos durch die von Dr. Gaßner konzipierte Handy-App „Parkinson-Reha-
sport@Home“, die er von der Ulmer Firma NeuroSys konfigurieren ließ. Dr. Gaßner erklärt dazu:
„Wir testen die Anwendung gerade im Rahmen einer Pilotstudie mit unseren Patienten. Wir haben
dafür jeden Betroffenen zuerst ambulant befragt und untersucht. Auf der Grundlage der jeweiligen
Diagnosen haben wir dann individuelle Trainingsprogramme zusammengestellt und in der App
hinterlegt.

Es kann sein, dass bei einem Patienten hauptsächlich die Gangsicherheit zu verbessern ist, ein
anderer vielleicht Probleme mit Muskelsteifigkeit oder der Feinmotorik hat.“ Entsprechend dieser
Analyse bekommt jeder Betroffene über die App seine persönlichen Übungen angezeigt. „Bei
Fragen und wenn Hilfestellung nötig ist, können die Nutzer über die App jederzeit auch einen
Therapeuten kontaktieren – das ist ein großer Mehrwert für die Patienten“, betont Heiko Gaßner.

Videos und App sollen in Pandemie-Zeiten zum einen digital unterstützen und zum anderen Hilfe
zur regelmäßigen Selbsthilfe bieten. Diese zwei Kriterien bewogen vermutlich auch die Jury der
Hertie-Stiftung dazu, das Erlanger Team als einen von drei Preisträgern auszuzeichnen.

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe

Mit ihrem Engagement-Preis würdigt die Hertie-Stiftung Aktionen von Einzelpersonen oder
Selbsthilfegruppen zugunsten von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen oder
Multipler Sklerose. In Zeiten von Corona rief die Hertie-Stiftung zusätzlich Menschen zur
Bewerbung auf, deren Projekte erst im Rahmen der Krise entstanden sind oder die wegen
der aktuellen Umstände noch mehr an Bedeutung gewinnen.

 

Weitere Informationen:
Dr. Heiko Gaßner
Tel.: 09131 85-39324
heiko.gassner@uk-erlangen.de

 

Pressemitteilung auf der UKER-Webseite

 

Selbstverständlich hat auch das Lokalblättchen "Erlanger Nachrichten" nach gut einem Monat
Notiz von dieser erfreulichen Nachricht genommen ...

EN-Presseemldung vom 11.1.2021

Dieser Eintrag wurde aktualisiert am 12.1.2021 um 11h55